Die Jahrestour 2025

Ob Norden, Osten, Süden, Westen - wo wir sind, rollert's sich am besten.

Da wir letztes Jahr mehr so in Richtung Norden unterwegs waren und auch den Osten mit unserer Tour zum Edersee abgehakt haben - im Süden "in de Palz" waren wir sowieso schon - ist jetzt der (Süd)Westen dran. Achtung, Eifel & Co, wir kommen!

Aloisia und Wilhelm haben es geschafft, in die diesjährige Jahrestour soviel Eifel reinzupacken, wie es in drei Tagen nur möglich ist. Aber fangen wir vorne an – Treffpunkt Bonner Verteiler: pünktlich wie die Mauer ist der Trupp komplett und so geht es zügig nach dem Begrüßungshallo und -hinundher auf die Roller und ab die Post… …in die erste Umleitung, die nicht lange auf sich warten läßt.

Auch unterwegs sind immer wieder diese überaus geschmackvollen, rotweißen Straßendekorationen zu finden, die uns immer wieder irgendwie im Weg stehen. Baken nennt man diese Dinger und sie dienen genau dem Zweck - im Weg zu stehen. Aktuell sind sie auf Deutschlands Straßen sehr in Mode. Man braucht sie für eine neue Sportart – Baustellenslalom. Das können wir ganz schnell und recht meisterhaft.

Schon sind wir reif für die erste Pause an einem „Mäckes“ nahe Euskirchen. Wenn wir schon nicht beim Mäckes starten, machen wir wenigstens eine Pause für’s Nötigste. 

Dann kann’s auch gleich wieder weitergehen, denn später  gibt’s an einem lauschigen Parkplatz noch eine Pause, bei der wir auf ein paar Biker aus NL treffen.

 

Richard ist fasziniert – da steht eine Bikerlady auf dem Steintisch und wechselt die Beinkleider. Klar zieht man dafür dann (auch) die Schuhe aus. Jetzt rätseln alle, was Richard wohl mehr angezogen hat, die Schuhe oder… ? Egal, unser Clubcharmeur wird schon den richtigen Aufhänger für ein nettes kleines Pläuschchen mit der Dame gefunden haben.

Danach stoppen wir in Birgel. Insider wissen, da gibt’s Erwins Biergarten. Na gut, Biergärten gibt’s viele. Doch dieser hier fällt auf, denn hier gibt’s auch Bier direkt aus Erwin’s Mühlenbrauerei. Das hier ist also kein Museum, sondern funktioniert wirklich.

 

Wir „chillen“ im Innenhof, schön warm hier, und probieren das eine oder andere Schmankerl aus der Speisekarte. Das flüssige Schmankerl aus dem Sudkessel werden wir uns verkneifen müssen, wir haben noch ein Stück zu fahren.

Neeiin, es gibt kein Bier!

 

In Losheim stoppen wir für ein wenig sightseeing. Ars Krippana. Was das wohl sein mag? Reingehen, rausfinden. Gesagt, getan. Drinnen erschlägt einen ein Sammelsurium von Dingen – von Nippes über esoterisch-gesundes „Wasauchimmer“ – mit und ohne Duft - über mehr oder weniger edle Schmucksteine und Klangschalen in allen Größen.

Klangschalen ? Ich hör wohl nicht recht...
Klangschalen ? Ich hör wohl nicht recht...

Da übersieht man glatt den Eingang zum eigentlichen Ars Krippana.

 

Bis auf einen – Peter findet den Einlaß und steigt in andere Welten ein. Seine Fotos zeigen einen kleinen Ausschnitt von dem, was mit Ars Krippana gemeint ist. Das – so weiß Dr. Google – sei die größte Krippenausstellung in Europa. Hm, da haben wir bis auf Peter wohl was verpasst. Allerdings war das Brimborium vor dem Eingang zum Ars Krippana nicht gerade einladend, sondern eher „vom Thema ablenkend“. 

Ganze Straßenzüge und Wohnwelten sind hier abgebildet...

 

Die Route führt uns weiter über Bleialf – hier haben Aloisia und Wilhelm einen Tankstopp eingeplant. Die Tanks sind zwar noch gut gefüllt, aber besser jetzt auftanken, als morgen unterwegs irgendwo auf dem Trockenen zu liegen. Bleialf allerdings löst Heiterkeit bei Geli aus. Sie hielt es für eine Art „Jugendsprech“ für tanken und war nun ganz überrascht, dass es tatsächlich ein Ort ist. Ha, es klingt doch einfach cool, wenn wir zukünftig nicht einfach die Roller tanken, sondern bleialfen…

 

Jetzt ist es nicht mehr weit bis Winterspelt, unserem Ziel. Der Ort ist sauber und besteht außer aus Bauernhöfen und ein paar Wohnhäusern noch aus einer Kirche und dem Hotel. Sonst nichts. Einfach nichts mit viel Gegend drum herum. Als Ausgleich gibt es dafür superschöne Garagen für unsere Pferdchen, wo sie übernachten können. Da können wir das Sperrgut (Helme, dicke Jacken) direkt am Gerät lassen, praktisch. Unser Empfangskomitee erwartet uns – Irmgard und Marianne sind vierrädrig hierher gefahren und winken schon von der Hotelterrasse Richtung „Pferdestall“. 

 

Das Hotel Hubertushof quartiert uns auf die Zimmer, teils im Haus, teils im nebenan liegenden Neubau. Alle sind zufrieden mit den Zimmern, gönnen sich den verdienten Drink oder die verdiente Dusche und dann den Drink, bevor es zum Essen geht.

Das Essen ist gut, der Eisbecher-Nachtisch sehr lecker und ein rosa Sonnenuntergang verwöhnt uns zum Abschluß auf der Hotelterrasse mit Aussicht auf gutes Wetter für den morgigen Tag.

 

 

Dieser startet mit einem guten Frühstück und schwupps – prompt vergrößert sich unser Rollerlindwurm. HP und Marion haben ihr Wohnmobil geschnappt, die Roller huckepack und stehen für die Tagestour parat, noch bevor wir alle unsere Roller aus dem Schlaf bzw. der Garage geholt haben. Na, dann kann's ja losgehen!

Kurze Zeit später landen wir direkt beim ersten Stopp in einer Wartehalle -  im Dorf Welchenhausen. Ein Dorf mit eigener Wartehallte ??  Nur, es ist eine ganz besondere Wartehalle. Was woanders ein schnödes „Bushäuschen“ wäre, hat man hier zu einer kleinen Galerie umfunktioniert, so ziemlich das kleinste Museum der Welt vermutlich...  Das haben Aloisia und Wilhelm aber fein ausgetüftelt!  Es gibt sogar ein Gästebuch und klar, da müssen wir uns verewigen.

Kurzer Blick in die kleine Kapelle, alles so schön ruhig hier…  allerdings nur kurz, dann rattert ein Konvoi Trecker durchs Dorf.  

Wieder was zum Gucken! Und noch mehr – ein Künstler hat aus alten Hufeisen mit viel Geschick fast lebensgroße Tierfiguren geschweißt und aufgestellt. Da ist ja richtig was los hier im Dorf! 

Ein Einheimischer kommt vorbei und erzählt uns, dass wir hier im Dreiländereck sind – da ist Belgien, dort ist Luxemburg und hier wo wir stehen ist gerade noch Deutschland.

 

Jetzt wird es Zeit zum weiterrollen entlang des kleinen Flüßchens Our. Irgendwo steht ein Campermobil auf einer Wiese direkt am Bach und zwei junge Männer halten eine Angel ins Wasser. Das sieht schön entspannt aus. Entspannt sieht auch die bunte Blumenwiese aus vor dem Denkmal, an dem wir jetzt stoppen. Große „Hinkelsteine“ mit schwarzen Eisenplatten markieren als Europadenkmal, wer aus welchen sechs Ländern 1957 die EU gegründet hat.

Insgesamt stehen fünf dieser großen Steine hier, vier aus dem Eifel-Ardennen-Massiv und der fünfte aus Sedan – auch ein geschichtsträchtiger Ort. Schautafeln informieren über Entstehung und Entwicklung der EU. Aloisia und Wilhelm haben mit diesem Ziel  unseren Bildungsstand eindrucksvoll wieder aufgefrischt. Wir sind up to date und können weiterfahren. 

Die Landschaft ist überwältigend. Wald, enge Täler, auch sehr enge Straßen mit Kurven, die man sicherheitshalber mit vom Mittelstreifen ausgehenden Querstreifen markiert hat – damit die Motorradfahrer schön außen die Kurve fahren. Weil die Strecke so schön ist, sind auch immer wieder Motorradfahrer unterwegs. Und weil die Strecke so kurvig ist, haben die Gespannfahrer alle Hände voll zu tun, ihr Gespann in die richtige Richtung zu drücken. Das macht sich auch bemerkbar – spätestens heute abend im Handgelenk.

Wir kreuzen mittlerweile in Belgien herum und Peter stellt stolz fest, daß er die hiesige Sprache blitzschnell gelernt hat -  und spricht prompt fehler- und akzentfrei sein erstes Wort aus: „Straßenschäden“. Ja, auch hier steht überall dieser Warnhinweis – oder hatte Deutschland etwa so viele von diesen Schildern, dass man sie einfach nach Belgien exportiert hat? 

Kurz hinter Ouren geht es dann nach Luxemburg, bis wir Clerf/Clervaux erreichen. Und, was erwartet uns hier? Die wohlbekannte rotweisse Straßendeko! Die Baken sind schnell umkurvt und ein Parkplatz mitten in der Stadt unterhalb des Schlosses wartet auf uns. Zum Schloß selbst kann man per Treppe oder bequemer per Aufzug kommen. Bevor man jedoch beides erreicht, ist ein Panzer wirkungsvoll ausgestellt und ist sofort ein magentischer Anziehungspunkt für Spezialisten – wie z.B. Richard. Aber auch Mathias und Herbert müssen sich das näher ansehen

Die Gruppe teilt sich hier – wer will, bleibt unten in der Stadt. Der Rest erstürmt den Aufzug und landet nach wenigen Schritten vor dem Tor zum Schloßhof. Innen im Hof muß man sich entscheiden, nach links in die Militärausstellung, wo die Schlachten in den Ardennen nachgestellt sind oder nach rechts in die Ausstellung berühmter Fotografen zur „Family of Man“ , die zum Weltdokumentenerbe zählt. Die Gruppe teilt sich nochmal – die Mehrheit zieht’s in die Militärausstellung. Dann gibt es sogar noch ein Museum mit Burgenmodellen im Westflügel, aber das muß dann auf die Liste für’s nächste Mal.

Die „Schloßdamen und -herren“ fahren/gehen nach der Besichtigung wieder hinunter in die Stadt und treffen dort auf die, die sich den Weg hinauf ins Schloß erspart haben. Praktischerweise sitzen sie direkt vor einem kleinen Eiscafe. Klar, da muß ein Eis her. Allerdings gibt’s kurz darauf noch eine kostenlose Beigabe zum Eis – hungrige Wespen. Ist das Eis aber erst einmal unfallfrei gelutscht, sind die Wespen weg.

Wir sind dann ebenfalls weg, denn es geht weiter. Wieder über schönste Strecken - alleine dafür kann man die Tour glatt so noch einmal fahren. In Heiderscheidergrund wartet das High Chapparal Café auf uns. Ein bißchen verzwickt ist die Anfahrt zur Einfahrt zum Café – wir landen erst an einem Campingplatz und müssen drehen. Dann erreichen wir das Biker-Café, wo schon allerliebst gestylte Harleys auf uns warten. 

Kaum sitzen wir gemütlich draußen auf der Terrasse mit Blick auf den Bach und haben die ersten Getränke vor uns stehen, als wir erfahren, dass Norbert auf der Strecke geblieben ist.  An der engen Campingplatz-Zufahrt ist er mit seinem Roller in einer schrägen abschüssigen Kurve umgekippt. Norbert hat es gut weggesteckt, doch der Roller nicht. Irgendwas scheint mit der Lenkung nicht mehr zu funktionierten. Nun, was tun?

 

Erst einmal wird Heinz mit seinem Beiwagen zum Taxi für Norbert erklärt. Vor Ort ist der Roller zwar aufgerichtet, aber wirklich nicht mehr fahrbereit. Da muß wohl der ADAC ran. Daher bleibt der Roller stehen, wo er ist, Norbert fährt als Passagier bei Heinz weiter und unterwegs wird per Telefon das Nötigste organisiert. Geht doch!

Alles paletti? dann geht's wieder los. Über Orte mit so malerischen Namen wie Schlindermanderscheid (ja, das passt auf das Ortsschild – gerade so eben) erreichen wir irgendwann wieder Deutschland. In Lichtenborn ist Tankstopp, wo wir die Roller bis oben hin „vollbleialfen“ können.

In Winterspelt am Hotel angekommen werden die Roller wieder in den Stall gestellt und wir pellen uns aus unserer „Verpackung“. Schön eingedampft haben wir die, da kommt eine kurze Dusche wie gerufen. Die Hotelsauna hat heute leider das Nachsehen, viel zu warm für noch mehr warm heute…

Beim Abendessen wird im Hotel noch eine Hochzeitsgesellschaft versorgt (wo sollen die in dem Dorf auch sonst feiern?) und wir haben das Nachtisch-Nachsehen. Der Eisbecher geht an die Hochzeit, für uns gibt’s Schokopudding. Zum Ausgleich sitzen wir abends draußen auf der Terrasse und lassen das Eifelfeuer glühen. Nur Horst hat zu kämpfen – sein Asbach kommt hartnäckig im Schnapsglas, bis es endlich gelingt, einen Schwenker zu ergattern. Eher ein Schwenkerchen – zumindest die Form stimmt. Und damit es nicht zu brav wird, schafft Maggie es, den gegenübersitzenden Konny einer Biertaufe zu unterziehen, als sie unglücklich an den Tisch stößt. Das Bier fliegt in hohem eleganten Bogen so filmreif zielsicher auf Konnys Hose, dass weitere Kommentare glatt überflüssig sind, die könnt ihr euch schon selber denken. Was für ein feuchtfröhlicher Abend!

Der Morgen danach ist weniger schlimm als erwartet, das Eifelfeuer(chen) zeigt keine schweren Nachwirkungen.

So können wir dann nach dem Frühstück die Heimfahrt antreten.  Die Route geht über Kasselburg, Nöthen und Weilerswist. 

Am Forsthaus Kasselburg wird eine Pause eingelegt mit Panoramablick  über die Eifel-Landschaft und der Kasselburg im Rücken.

 

Wem das nicht genug ist, der kann sich die Wasserorgel im Restaurant ansehen. Für den Wolfspark reicht die Zeit leider nicht mehr, aber irgendwas muß ja übrig bleiben für die nächsten Touren. 

Die Kasselburg
Die Kasselburg

Unterwegs  können wir im Vorbeifahren die malerische Bertradaburg  in Mürlenbach bewundern, die an sich bestimmt auch schon einen Stopp wert gewesen wäre (nächste Tour ??). Zumindest sieht sie im Vorbeirollern schon sehr geschichtsträchtig aus mit ihren roten Backsteinmauern.

 

Wir halten kurz hinter Birresborn auf einem kleinen Schotterparkplatz – was haben Aloisia und Wilhelm denn jetzt noch in petto? Ein kleines rundes „Tempelhäuschen“ an einem Parkplatz markiert eine Heilquelle. Man geht ein paar Stufen hinunter und mitten im Rondell steht ein Felsstein und die Quelle sprudelt. Wer will, kann sich hier bedienen und die Flasche volltanken.

 

Den Job übernimmt Braumeister Herbert ganz gekonnt – nur findet das Getränk nicht überall vorbehaltlose Zustimmung. Es schmeckt halt deutlich anders als das gewohnte aus dem Wasserhahn zu Hause und ganz bestimmt noch deutlicher anders als das gewohnte Bierchen im Glas. So verlassen wir denn als „geheilt“ diesen Ort. 

Irgendwo im nirgendwo unterwegs biegen wir links ab, da steht ein Pärchen in Motoradkleidung im Gebüsch und winkt uns begeistert zu. Wir winken zurück und denken uns nichts dabei, bis Carola bei der nächsten Pause meint, in diesem Pärchen Ulla B und Jürgen erkannt zu haben. Könnte ja sein, dass die beiden mit der Harley on Tour waren. Mal sehen, ob wir das herausfinden.

Wir rollen weiter durch die Eifel und kommen in Bad Münstereifel an. Der Ort wird überrannt von Outlet-Shoppern und garantiert muß mindestens einer davon über den Zebrastreifen, wenn gerade unser Rollerlindwurm daherfährt.  Gut geplant haben Aloisia und Wilhelm, dass wir uns einen Stopp mitten im Ort verkneifen und statt dessen außen vor bleiben. Plan B heißt das wohl. Kurze Zeit später, deutlich außerhalb von Münstereifel, stellen wir fest, dass das tatsächlich Plan B heißt und sich als unser Mittagspausenplatz entpuppt – mit weitem Blick übers Tal. Oben an den langgezogenen Bergrücken lugt das Radioteleskop Effelsberg neugierig hervor, währen wir die Roller parken und die Terrasse erstürmen. 

Schnell sind die Tische zu einer langen Reihe zusammengeschoben und die Getränke bestellt. Wem es nicht zu warm ist, der bestellt Himmel un Ääd, doch sehr verlockend sind auch die spareribs mit Grillgemüse. Das Essen kommt und schmeckt, also Plan B kann man sich mal merken.

Kurz bevor wir in der Sonne auf der Terrasse ebenso braun gebraten sind wie die spareribs packen wir uns wieder ein in unsere Rollermontur. Die Landschaft wird deutlich flacher und besiedelter, kein Wunder, kurz hinter Euskirchen kann man ja schon fast den Dom sehen:

 Aber vorher gibt es noch einen wichtigen Halt – die berühmte Eisdiele in Weilerswist, wo wir genußvoll ein mehr oder weniger großes, auf jeden Fall leckeres, Eis verputzen. Dann verabschieden wir uns und von hier rollt jeder, wie er mag, nach Hause.

Das war wieder ein toller voller Tag mit rundum viel zu sehen und erleben und eisgestärkt kommen alle wohlbehalten zu Hause an. Mehr Tour geht eigentlich nicht, das haben die beiden meisterhaft geplant! Das macht glatt Lust auf die nächste Eifelrunde…

Das war sooo schön, wir kommen bald wieder !
Das war sooo schön, wir kommen bald wieder !

Herzlichen Dank an die beiden Tourleiter Aloisia und Wilhelm, die mit viel Akribie wirklich das Letzte aus der Eifel rausgeholt und in unsere Tour gepackt haben - die Tour glüht bestimmt noch länger nach als das Eifelfeuerchen...